Von der Kasse finanzierte bzw. bezuschusste Psychotherapieverfahren:

In welchem Fall finanziert bzw. bezuschusst die Krankenkasse eine Psychotherapie?

Die Krankenkasse finanziert bzw. bezuschusst eine Psychotherapie, wenn eine ‚psychische Störung' vorliegt und wenn diese in den Psychotherapierichtlinien aufgeführt ist.

Was ist eine psychische Störung?

Menschen, die sich zum Beispiel durch Lebenskrisen, Veränderungen, Verlusterfahrungen etc. seelisch belastet fühlen, erleben unterschiedliche Beschwerden (Symptome), die unterschiedlich stark auftreten. Diese Symptome können einen mehr oder weniger großen Einfluss auf den Alltag und die Funktionsfähigkeit der Betroffenen haben. Häufige Reaktionen auf Belastungssituationen sind beispielsweise Gefühle der Traurigkeit, Angst, Ohnmacht oder eine starke innere Anspannung. Diese Gefühle können für eine begrenzte Zeit sehr stark sein, verschwinden aber in der Regel nach einer gewissen Zeit. Wenn sie doch länger andauern oder weitere dazukommen - etwa depressive Zustände, Panikattacken, Suizidgedanken etc. - und zu immer größeren Problemen im Alltag führen, ist eine Psychotherapie notwendig. Beispiele für psychische Erkrankungen sind zum Beispiel: Angststörungen, Depressive Störungen, Posttraumatische Belastungsstörungen, Somatisierungsstörungen, Sexualstörungen, Zwangsstörungen etc.

Beim Vorliegen einer psychischen Störung wird - je nach dem ob es sich um eine gesetzliche oder eine private Kasse und bei privaten Kassen je nach Tarif - ein bestimmtes Stundenkontingent bewilligt (s. auch weitere Erläuterungen nachfolgend). Dieses Stundenkontingent ist nicht immer und nicht notwendigerweise ausreichend, um eine grundsätzliche Besserung der vorliegenden psychischen Erkrankung zu erreichen. Es ist deshalb empfehlenswert, in der Zeit, in der die Therapie von der Kasse finanziert wird, finanzielle Rücklagen zu bilden, damit die Behandlung ggf. auch weitergeführt werden kann, wenn das von der Krankenkasse bewilligte Stundenkontingent aufgebraucht ist.

Im April 2017 ist eine Strukturreform der ambulanten Psychotherapie in Kraft getreten. Vor diesem Hintergrund wurden die bis dahin bestehenden Angebote wie folgt geändert und ergänzt:

So gibt es nun das Angebot einer psychotherapeutischen Sprechstunde: Hier wird mit Ihnen besprochen, ob eine krankheitswertige psychische Störung vorliegt, ob und wenn ja welche psychotherapeutische Behandlung Sie benötigen bzw. ob Sie andere/weitere fachspezifische Hilfen im System der gesetzlichen Krankenversicherung benötigen.

Wenn die Notwendigkeit einer psychotherapeutischen Behandlung vorliegt, gibt es wie bisher zur Beantragung der Behandlung sogenannte probatorische Sitzungen (zwei bis vier), in denen vor allem die Passung und Eignung für das vorgesehene Therapieverfahren mit Ihnen besprochen werden.

Welche Psychotherapieverfahren finanziert bzw. bezuschusst die Krankenkasse?

Die privaten und die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen derzeit drei Psychotherapieverfahren (die privaten Kassen übernehmen manchmal zusätzlich auch noch andere Verfahren):

  • die analytische Therapie
  • die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
  • die Verhaltenstherapie

jeweils für Erwachsene und Kinder und als Einzelbehandlung oder als Gruppenbehandlung.

Ich habe bei allen Kassen eine Zulassung für die Durchführung der analytischen Therapie und der tiefenpsychologisch fundierten Therapie für Erwachsene.

Beide Therapieformen basieren theoretisch auf der Psychoanalyse. Diese geht auf Sigmund Freud zurück. Bei beiden Therapieformen wird davon ausgegangen, dass unbewusste Wünsche, Phantasien, Motive und Konflikte einen Einfluss auf die Gesundheit bzw. die Erkrankung und auf das gesamte Seelenleben des Menschen haben.

Die analytische Psychotherapie ist eine Langzeittherapie. Sie findet in der Regel mehrmals in der Woche im Liegen statt. Mit ihr werden ausgehend von der vorliegenden Symptomatik die dieser zugrundeliegenden unbewussten Konflikte, Motive etc. des Patienten erforscht und behandelt. Durch das Bewusstwerden dieser "inneren Welt" soll eine Besserung/Heilung erzielt werden. Dabei ist das Geschehen zwischen Ihnen als Patient/in und mir als Psychoanalytikerin in der Behandlung ein wesentliches Instrument, um bestimmte Erlebens- und Verhaltensmuster zu verdeutlichen und zu verändern. Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt - je nach Schwere der Störung und je nach Verlauf der Behandlung - zwischen 160 bis zu maximal 300 Behandlungsstunden.

Bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie wird in der Behandlung im Gegensatz dazu auf einen, maximal zwei aktuell deutlich gewordene/n unbewusste/n Konflikt/e fokussiert. Sie findet in der Regel ein- bis zweimal die Woche im Sitzen statt. Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt hier - auch je nach Schwere der Störung und je nach Verlauf der Behandlung - zwischen 60 bis zu maximal 100 Behandlungsstunden.

Es gibt zudem die Möglichkeit, eine sogenannte Kurzzeittherapie (12 bis maximal 24 Sitzungen) durchzuführen, wenn die Notwendigkeit für eine Behandlung besteht, aber noch nicht deutlich ist, ob Sie eine Langzeittherapie brauchen. Auch wenn Sie bereits einmal eine Langzeittherapie durchgeführt haben, kann dies die Methode der Wahl sein.

Als weitere Möglichkeit gibt es seit April 2017 die sogenannte Psychotherapeutische Akutbehandlung (bis zu 12 Sitzungen innerhalb eines Behandlungsjahres): sie dient zur Krisenintervention und zur Stabilisierung und dient weniger zur Aufarbeitung der - wie oben beschrieben - einer seelischen Erkrankung zugrundeliegenden Konflikte.

Zur ergänzenden Information empfehle ich Ihnen diesen Link: http://www.praxislange.de/downloads/patienteninformation-ptv10.pdf

Für Privatpatienten gibt es bezüglich der Finanzierung einer psychotherapeutischen Behandlung keine einheitlichen Regelungen. Hier gibt es wie bisher die Möglichkeit, innerhalb von probatorischen Sitzungen (in der Regel bis zu 5) mit Ihnen zu besprechen, ob eine krankheitswertige psychische Störung vorliegt und wenn ja, welche Behandlungsform für Sie passend ist.